WERKZEUG

9 kg CO₂/m²a und 5 EUR/m²a – Sollwerte für eine Regelung

Derzeit werden in Deutschland CO₂-Emissionen von ca. 10 t CO₂/Per­son emittiert. CO₂-Emissionen haben einen wesentlichen Anteil am ökologischen Fußabdruck. Ihre Erfassung erfolgt in sog. CO₂-Äquivalenten, die auch andere „Treibhausgase“ beinhalten. Zur international beschlossenen Begrenzung der Erderwärmung auf höchstens 2°C sind weltweit ma­xi­ma­le CO₂-Emis­sio­nen von ca. 2 t CO₂/Per­son und Jahr zulässig. Für die Raum­hei­zung und Warm­was­ser­ver­sor­gung in Deutschland sind die CO₂-Emissionen entsprechend auf 0,4 t CO₂/Person und Jahr oder ca. 10 kg CO₂/m²a zu begrenzen (Bezug: Wohnfläche, bei einer durchschnittlichen Wohnfläche von ca. 40 m² pro Person).

Der oben vereinfacht hergeleitete Wert entspricht den Anforderungen in den Leitprojekten des Landes NRW, nach denen seit 1998 „50 NRW Solarsiedlungen“ und nun „100 Klimaschutzsiedlungen NRW“ umgesetzt werden. Hier liegen differenziert nach Neubau und Sanierung aussagekräftige Zielwerte für eine energetische Beurteilung vor. Für Neubauten gilt der CO₂-Emissions-Grenzwert von 9 kg CO₂/m²a für Heizung, Lüftung und Warmwasserbereitung inkl. Verlusten und Hilfsenergie. Bei Altbauten beträgt der Wert 12 kg CO₂/m²a. Die in den Leitprojekten erprobte Methodik zur Erfassung von CO₂-Emissionen und Gebäudekennwerten wird im Projekt ReConGeb mit Toleranzen genutzt.

ReConGeb basiert auf einer Balance zwischen Ökologie und Ökonomie. Der Projekt-Zielwert für die Heizkosten beträgt ebenfalls mit Toleranzen 5 EUR/m² Wohnfläche. Die Heizkosten umfassen die gesamten wärmegebundenen Nebenkosten für Heizwärme und Warmwasser mit Brennstoffkosten, Hilfsenergie, Wartung etc. Weitere Kosten z.B. aus Investitionen und Instandsetzung werden separat erfasst.

Monitoring und Regelung

Zentraler Zielwert sind die CO₂-Emissionen, die aus dem gemessenen Endenergieverbrauch sowie nachgewiesener spezifischer  CO₂-Emissionen der Energieträger rechnerisch ermittelt werden. Darüber hinaus sind messbare Effizienzkennwerte je nach Technologie notwendig. Dies sind z.B. Solarerträge, Nutzungsgrade und Arbeitszahlen.

ReConGeb kombiniert die Anwendung praxisbewährter Klimaschutz-Zielwerte – aus dem NRW-Landesprogramm „50 Solarsiedlungen“ und Nachfolgeprogramm „100 Klimaschutzsiedlungen“ – mit dem langjährig eingeführten Monitoring der energy-check Stiftung Energieeffizienz gemeinnützigen GmbH für energiesparende Anlagen und Gebäude. ReConGeb koppelt diese Klimaschutzwerkzeuge mit dem kybernetischen Regelkreismodell, das zum Monitoring der Energiewende in Tirol genutzt wird.

 

Unabhängige Werkzeuge der Energiewende

Für die Öffentlichkeit werden Statusberichte zur Energiewende Wärme erstellt. Dabei wird der Status quo energieeffizienten Bauens abgebildet und die verbleibende Lücke zwischen Theorie und Praxis hochgerechnet. Gezielte Beschleunigungsmaßnahmen werden erarbeitet. Können Bürger und Wohnungswirtschaft die Machbarkeit einer erfolgreichen Wärme-Energiewende nachweisen, dient dies zudem anderen Sektoren als Beispiel.

Durch das Projekt werden Ergebnisse zahlreicher Einzelgebäude dauerhaft messbar und für die Wohnungswirtschaft und Öffentlichkeit nutzbar. Das Referenz-Monitoring kann z.B. die Gebäude-Energiewende in den Bundesländern unterstützen. Mit diesen sowie Multiplikatoren wie z.B. Energieberatern und Fördergebern wird der Dialog gesucht, um zeitnah ein unabhängiges, aussagekräftiges und kostengünstiges Monitoring im Rahmen z.B. der Klimaschutzgesetze und Qualitätssicherung einzuführen. Im Gebäudebereich stehen Architekten, Handwerker und Planer vor zunehmend komplexen Aufgaben. Sie müssen zahlreiche theoretische Nachweise erstellen und können die für die Praxis notwendige Qualitätssicherung nicht eigenständig erbringen. Ihre maßgeblichen Verordnungen sind zudem von Lobbyinteressen gestaltet. Ihnen kann ein Werkzeug zur Baubegleitung und Evaluierung ihrer Projekte zur Verfügung gestellt werden, um optimale Unterstützung in der Eile des Tagesgeschäftes zu ermöglichen. Ein transparentes Referenz-Controlling ermöglicht unabhängige Vergleiche und die Unterstützung der ambitionierten Ziele der Politik.

Veranschaulichung der Jahrhundertaufgabe einer Energiewende am Beispiel Tirol

Veranschaulichung der Jahrhundertaufgabe einer Energiewende am Beispiel Tirol
Ressourceneinsatzszenario zur künftigen Energiebedarfsdeckung für Tirol bis zum Jahr 2050. Tirol strebt eine Energieautonomie bis 2050 bei einer gleichzeitigen Halbierung des Endenergieeinsatzes an. Die Darstellung visualisiert die Jahrhundertaufgabe einer Energiewende sowie ihre Handlungsfelder. Das Projekt ReConGeb unterstützt die Einhaltung von Zielpfaden im Sektor Wärme der Wohngebäude in Anlehnung an die Abbildung.
Quelle: Dr. E. Fleischhacker